Druck Rausnehmen oder Ablassen?

Interessante weiterführende Links wie immer unten. Gerne liken, teilen und kommentieren! 🙂

Was ist der Unterschied zwischen Druck Rausnehmen und Druck Ablassen? Wenn einer vergisst Druck rauszunehmen, könnte es passieren, dass ein anderer mal unkontrolliert Druck ablässt. Kennt ihr das? Wenn Kollegen zu besonders dünnhäutigen Kollegen so Sätze sagen wie: „Darüber muss man sich jetzt wirklich nicht aufregen!“ Abhängig von meiner Tagesform habe ich bei solchen Sätzen manchmal eine extrem kurze Zündschnur.

Wenn ich eine Schubkarre permanent wissentlich überlade und deshalb dann irgendwann der Reifen platzt… Dann sage ich doch auch nicht zu dem Reifen: „Deshalb muss man jetzt aber wirklich nicht platzen!“

Wenn die Schubkarre vorher regelmäßig korrekt gewartet worden wäre und immer korrekt beladen worden wäre, wenn der Reifen vielleicht mal gewechselt worden wäre… Wäre, würde, wunderbar. Klar, für die Wartung sind nicht nur die Kollegen oder der Arbeitgeber zuständig, sondern vor allem ich selbst. Und wenn ich mich überladen lasse, bin ich auch irgendwie mitverantwortlich.

Vielleicht bin ich auch gar nicht geplatzt, sondern habe nur gequietscht.

Vielleicht bin ich auch gar nicht geplatzt, sondern habe nur gequietscht. Dann hätte ich als Schraube an der Schubkarre aber auch nicht gern den Satz gehört: „Deshalb muss man jetzt aber wirklich nicht quietschen.“ Vielleicht wollte ich lieber hören: „Ich höre du quietscht. Hattest du diese Woche überhaupt schon mal Zeit, geölt zu werden?“ Oder: „Sag mal, du quietscht ja. Sollen wir uns deine Lasten vielleicht mal teilen? Ich glaube das ist echt zu viel für eine Schubkarre…“

Das wäre dann Druck Rausnehmen statt das Ablassen halbwissentlich abzuwarten. Und noch einmal: Zum Halbwissen gehören immer beide Seiten! Ich spiele sowieso lieber Hanabi anstatt Schwarzer Peter… 😉

Interessante Links zum Umgang mit eigener oder begegneter Hochsensibilität, Hochsensitivität oder Hochbegabung:

„Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal“ von Birgit Trappmann

Tomke Lübcke Coaching – begabungspädagogisches Coaching

Und hier noch die Links für die Spieler unter uns:

Playmobil Country Online-Shop (für diverse Ersatzreifen… ;-))

Hanabi – Kooperatives Feuerwerkskartenspiel

Schwarzer Peter – Ravensburger

Wie man Scrabble spielend leicht den Frühjahrsputz meistert

Interessante Links zu den Themen Scrabble, Partnerschaft und (Familien-)Haushaltsführung habe ich euch unten zusammengestellt. Denn spätestens, wenn ihr meinen Blog gelesen habt, wisst ihr: Scrabble kann Haushalte, Ehen und Familien retten! 😉

Manchmal muss man auch schmutzige Wäsche waschen…
… während sich andere in Druidenhosen durch’s Yetireich bag(g)ern… 😉

Manchmal muss man auch schmutzige Wäsche waschen. Im Frühjahr fällt da besonders viel von an. Nicht nur Vorhänge, Gardinen und im Schrank verstaubte Tischdecken wollen wieder blütenweiß erstrahlen. Auch verstaubte Träume und eingemottete Freundschaften werden wieder aus dem Keller hervorgekramt und zeigen im gnadenlosen Licht der Frühlingssonne, wie vergessen und vernachlässigt sie aussehen.

Im Frühjahr fallen auch immer besonders viele Reparaturen an. Vielleicht hat sich die Heizung gerade noch so über den Winter gerettet und eine teure Wartung mit noch teureren Ersatzteilen steht für das Tauwetter an. Vielleicht haben sich aber auch kaputte Beziehungen gerade so weihnachtsgemästet über die Feiertage gerettet und blubbern nun Hilfe suchend irgendwo im Haus an der Wand entlang.
Auch hier ist ein guter fachlicher Rat manchmal teuer.

Zum Glück ist die Frühjahrssonne auf unserer Seite. Die Tage werden länger und so fällt das frühe Aufstehen auch am Wochenende gar nicht mehr so schwer. Wann sollen wir all die schmutzige Wäsche sonst waschen, wenn wir doch auch noch was vom Tag haben wollen? All die über die kalte Jahreszeit verdreckten Jacken und Mäntel, die noch einmal in der Waschtrommel Karussell fahren wollen, bevor sie wieder für lange Monate in der Saisonkleiderkiste verschwinden.

Wann sollen wir all die aufge(sc)hobenen schwierigen Beziehungsthemen sonst ansprechen, wenn wir doch abends, wenn das Kind schon im Bett ist, viel zu müde sind, um noch ein zielführendes Gespräch zustande zu bringen? Wenn wir aber auch morgens nur diese kostbare Zeit zwischen 6 und 8 Uhr haben, bevor das Kind schon wieder auf der Matte steht? Wann sollen wir all diese schmutzige Wäsche waschen?

Arbeitsteilung hilft, den Frühjahrsputz zu meistern. Einer kann immer etwas besser als der andere in einer Beziehung, in einer Familie. Einer hat mehr Sinn für Details und kümmert sich um die Frühlingsdeko oder um das Vertreiben böser Winterträume aus kindlichen Köpfchen. Ein anderer hat mehr Sinn für das große Ganze, möchte rausgehen und Rasenmähen, den Garten umgraben, den Zaun streichen, einen Finanzplan fürs neue Auto aufstellen oder endlich das vermaledeite Kinderzimmer aufräumen.

Einer hat mehr handwerkliches Geschick und stürzt sich auf jede lockere Schraube und Leiste im Haus. Ein anderer hat mehr Empathie und Einfühlungsvermögen und Sinn für die leisen Zwischentöne und legt Wert darauf, dass auch im menschlichen Miteinander daheim ein paar lockere Schrauben angezogen werden. Oder dass auch verbal und sozial knarzende Dielenbretter endlich nicht mehr jedem auf den Wecker gehen. Weil endlich mal genau hingeguckt wird, wo es knarzt und wie man das abstellen kann.

Einer ist vielleicht mehr so der Frühaufsteher und schmeißt schon die erste Maschine an, bevor der Puls des anderen überhaupt schon wieder im Stande ist, zwei menschliche Beine samt Rumpf und Dickschädel in der Senkrechten zu halten. Ein anderer ist die reinste Nachteule und kann noch mit dem Kind Scrabble spielen, während andere Familienmitglieder schon selig im Land der Frühlingsträume schlummern. Und sich träumend durch das Yetireich bag(g)ern. In Druidenhosen…

So lässt sich der Frühjahrsputz Scrabble spielend leicht meistern. Auch wenn man manchmal bergeweise schmutzige Wäsche waschen muss!

Interessante Scrabble-Links:

Offizielle deutsche Scrabble-Facebook-Seite von Matell

Homepage des Scrabble Deutschland e.V.

Buchtipps zum Beziehungs-Frühjahrsputz:

„Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest“ von Zurhorst und Zurhorst

„Eitle Liebe“ von Bärbel Wardetzki

Interessante Seiten mit Haushalts-Hacks:

„Ökologisch putzen mit Hausmitteln“ auf utopia.de

Muttis Nähkästchen – Haushalts-Hacks für Working Mums

26 geniale Tricks auf wunderweib.de

Achilles erinnert mich an Feminismus und an Weihnachten

Ausgerechnet ein antiker Sagenheld soll fortan zu meinem ganz persönlichen Symbol des ganz alltäglichen Feminismus werden bzw. mich an alltäglichen Sexismus erinnern. Und an Weihnachten. Ihr seid verwirrt? Lesen hilft! Hier kommt mein Beitrag zum gestrigen Weltfrauentag. Bin gespannt, wie ihr darüber denkt. Zitate, erwähnte Songs und Hintergrundinfos habe ich euch ganz unten verlinkt.

Wer mit Muslimas über Kopftücher diskutiert, sollte auch mit Frauen über hochhackige Schuhe diskutieren.

Wer glaubt, Feminist zu sein, wenn er mit Muslimas über ihr Kopftuch diskutiert, müsste mit jeder Frau, die hochhackige oder auch nur unbequeme Schuhe oder zu enge Kleidung trägt, auch über ihre Kleiderwahl diskutieren. Das ist meine Überzeugung und daran hat mich eine ganz persönliche, kleine und auch nicht besonders spektakuläre, aber, wie ich finde, dennoch erzählenswerte Leidensgeschichte erinnert. (Einen Link zu einem sehr interessanten Manifest auf zeit.de, das meine steile These ein wenig stützt, findet ihr übrigens unten.)

Ich wollte mal nicht wie eine pragmatische Öko-Mutti, sondern wie eine hübsche Kollegin aussehen.

Wie ihr vielleicht wisst oder auch nicht, bin ich ganz schön öko und ganz schön gesundheitsbewusst. Ich versuche aber beständig, mich von meinen eigenen Ansprüchen nicht kaputt machen zu lassen. Eine lebenslange Herausforderung, die mein Leben aber durchaus spannend und auch sehr reich macht… Und so kam es, dass ich zur letzten Weihnachtsfeier, obwohl ich sonst fast nur Leguano Barfußschuhe oder gar keine Schuhe trage, seit sehr langer Zeit mal wieder hochhackige Schuhe trug. Ich bin ja nicht nur berufstätig, gesundheitsbewusst und öko, sondern auch Mutter und Hausfrau. Und ich komme nicht sooo oft raus. Und ich habe mich auf diese Weihnachtsfeier gefreut. Auf das Tanzen. Ich wollte mal nicht wie eine pragmatische Öko-Mutti, sondern wie eine hübsche Kollegin aussehen. Und ich wollte tanzen, tanzen, tanzen.

Ich hatte mir sogar flache, einigermaßen schicke Turnschuhe zum Später-wenn-eh-keiner-mehr-drauf-achtet-Anziehen eingepackt.

Nun hatte ich mein Körpergefühl, meine Überzeugungen und die Grenzen meiner Bein- und Rückenmuskulatur ja nicht komplett vergessen vor lauter übersteigerter und überfrachteter Vorfreude aufs Tanzen. Mitnichten! Ich hatte nicht nur hochhackige Schuhe zur Feier angezogen: Ich hatte mir sogar flache, einigermaßen schicke Turnschuhe zum Später-wenn-eh-keiner-mehr-drauf-achtet-Anziehen eingepackt. Denn meine schmerzenden Füße sollten das Letzte sein, was mich vom Tanzen abhält. Jawohl!

Ich habe mich zu „I can’t get no sleep“ zum todsicheren Erstaunen eines so manchen Azubis an meine besten jugendlichen Techno-Partys erinnert.

So weit ein gar nicht so schlechter Plan. Denn ich habe getanzt. Als ob es kein Morgen gäbe. Ich habe mit Kolleginnen aus weit entfernten Abteilungen, die ich sonst nur zufällig einmal die Woche auf dem Flur treffe, 90er-Jahre-Songs von Lucilectric und den Spice Girls von vorne bis hinten mitgegrölt. Ich habe mit Kollegen „Jein“ von Fettes Brot von 1996 bis 2019 durchgerappt. Ich habe mich zu „I can’t get no sleep“ zum todsicheren Erstaunen eines so manchen Azubis an meine besten jugendlichen Techno-Partys erinnert. Kurzum: Ich hatte Spaß. Im Übrigen, ohne besonders viel getrunken zu haben. Sonst hätte ich ja konditionell auch niemals so viel tanzen können. Ich bin ja schließlich nicht blöd. Fast.

Ich hatte lediglich vergessen, mir meine ach so bequemen, gar nicht hohen, total flachen Zweitschuhe rechtzeitig anzuziehen. Nachdem ich bereits mindestens zwei Stunden annähernd nonstop durchgetanzt hatte, war es definitiv zu spät. Das merkte ich zwei Tage nach der Weihnachtsfeier. Meine Achillessehnen schmerzten bei jedem Schritt. Vor allem beim Treppensteigen oder bei längeren Spaziergängen. Nervig, aber verständlich nach so einer durchtanzten Nacht. Muskelkater. Normal. Dachte ich.

Die Schmerzen gingen aber nach mehreren Tagen nicht weg. Ok. Musst du wohl doch besser schonen. Machste vorsichtiger Yoga, gehst weniger und achtsamer spazieren. Gehst mehr schwimmen. Cremst die Fersen immer schön mit Arnikasalbe ein. Wird schon wieder. Dachte ich.

Schlafstörungen durch Stress – für berufstätige Mütter nun wirklich keine neue Erkenntnis.

Parallel dazu stellten sich bei mir ganz seltsame Schlaf- und Verdauungsprobleme ein. Ich will euch hier jetzt nicht mit zu delikaten Details ekeln, aber dass ich solche Probleme hatte, ist ein für die Geschichte wesentliches Detail. Also bitte merken. Ich habe im Moment auch mehr Stress als mir guttut. Weiß ich. Schlaf- und Verdauungsprobleme können auch von Stress kommen. Das ist für berufstätige Mütter nun wirklich keine neue Erkenntnis. Dementsprechend habe ich mir auch nicht mehr dabei gedacht, als das ich wirklich gut auf mich achten sollte, da mein Körper mir hier wohl gerade nicht nur einen, sondern mehrere Schüsse vor den Bug setzen möchte, um mir etwas mitzuteilen. Ok.

Aber diese doofen Achilles-Sehnen-Schmerzen. Die gingen trotz Schonen auch nicht weg. Und dann kam eine Bekannte zu Besuch übers Wochenende, die zufällig auch noch Physiotherapeutin ist. Wir sind – weil ich ja auf mich achten will – unter anderem in die Sauna gegangen. Nach einem Saunagang liegen wir im gemäßigten Ruhebereich so leise quatschend auf unseren Liegestühlen. Und ich erzähle ihr von meinen Achilles-Problemchen. Eigentlich wollte ich nur eine fachliche Meinung. Die Gratis-Massage, die davon begleitet wurde, habe ich aber auch gern mitgenommen.

Während meine Bekannte an meinen Hacken rummassierte, fing es in meinem Bauch in einer Tour an zu blubbern und zu rumoren.

Was ich dabei schon sehr interessant fand (Achtung! Ekelig, aber wichtig!): Während meine Bekannte an meinen Hacken rummassierte, fing es in meinem Bauch in einer Tour an zu blubbern und zu rumoren. Das sei auch nicht weiter verwunderlich, so meine Bekannte. Da, wo sie jetzt massiere, sitzen die Akkupressurpunkte von ganz vielen Organen und dem unteren Rücken und so. Aha.

Das fand ich aufrichtig interessant. Und ich solle bloß nicht zu sehr schonen. Es sei auch wichtig, dass ich die durch das hochhackige Tanzen gestauchten Sehnen wieder dehne. Wenn die richtig entzündet wären, wären sie dick und geschwollen, sind sie aber nicht. Na gut. Also weiter im selbst gebastelten Achilles-Schmerz-Bekämpfungsprogramm. Schlaf- und Verdauungsstörungen anhaltend.

Dann erwähnte ich das mit den Achilles-Schmerzen mal einer Freundin gegenüber, die zufällig auch noch Ärztin und ziemlich ganzheitlich unterwegs ist. Die hat mich dann zum Osteopathen geschickt. Und JETZT wird es creepy. Ich erzähle also bei der Osteopathin und manuellen Therapeutin brav, woher die Schmerzen kommen. Dass ich hochhackige Schuhe getragen habe, die ich sonst nicht trage. Dass ich zu viel getanzt habe, was ich sonst nicht tue. Und die unglaublich sympathische, patent, kompetent rüberkommende und Vertrauen erweckende Frau fragt mich Folgendes:

„Wachen Sie momentan öfters zwischen 4 und 6 Uhr morgens auf, egal wann Sie ins Bett gegangen sind?“

Leute, ernsthaft, ich hatte überlegt, ob jemand heimlich Kameras in meinem Schlafzimmer aufgehängt und mich bei „Verstehen Sie Spaß“ angemeldet hatte. Ich hatte ÜBERHAUPT nichts von Schlafstörungen erzählt. Ok, dass ich gestresst und übermüdet war, konnte man mir an dem Abend vermutlich auch ohne mehrjährige therapeutische Ausbildung ansehen. Aber die Uhrzeit? Die Tatsache, dass ich keine Einschlaf-, sondern „nur“ Länger-als-5-Stunden-am-Stück-schlaf-Probleme hatte? Ich musste wohl ziemlich bedröppelt und gleichzeitig begeistert ausgesehen haben… Jedenfalls erzählte sie mir dann was von Cortisolspiegeln, wie das mit der Achillessehne oder -ferse oder den Muskeln und Nerven da zusammenhängt, und fing an mich zu behandeln. Und das tat weh. Aber gut.

Die Schmerzen waren dann auch erst mal noch nicht weg. Aber es kribbelte, es pochte, es arbeitete. Das konnte ich spüren. Das konnte ich sogar sehen. Ernsthaft! Eines abends saß ich mit meinem Kind fasziniert auf dem Badezimmerboden und schaute mir die kleinen Würmchen an, die durch meinen Fuß direkt unter der Haut zu krabbeln schienen. Die Muskeln zuckten ohne mein bewusstes Zutun. Oder jemand hatte mir heimlich Nanosonden injiziert. Oder meine Ohrwürmer hatten sich gründlich verlaufen. Eins davon.

Meine Freundin die Ärztin hat dann meine Achillessehne noch zusätzlich mit Kinesiotape getapet. Und ihr müsst mir das jetzt nicht glauben: Aber ein paar Tage später – die Achillesschmerzen wurden von Tag zu Tag besser – kam meine zweitschönste Nacht seit der Weihnachtsfeier. Die schönste war, als ich mir meine Schlafstörungen zunutze machte und diese Website und meinen Blog begründete. Die zweitschönste, als ich das erste Mal seit der Weihnachtsfeier wieder ACHT Stunden am Stück geschlafen hatte. Creepy. Aber wunder-, wunderschön.

Warum wir Frauen, die wir mittlerweile ins Weltall fliegen, Nobelpreise gewinnen, das Klima retten, Staaten regieren und Konzerne leiten, uns immer noch in Schuhe zwängen lassen, die NACHWEISLICH unsere Gesundheit ruinieren

Und nun zurück zum Feminismus. Ich weiß nicht, wie es euch nach dem Lesen dieser hoffentlich einigermaßen unterhaltsamen Anekdote geht. Aber ich bin fertig mit hochhackigen Schuhen. Warum wir Frauen, die wir mittlerweile ins Weltall fliegen, Nobelpreise gewinnen, das Klima retten, Staaten regieren und Konzerne leiten, uns immer noch von einer immer noch männlich dominierten Welt in Schuhe zwängen lassen, die NACHWEISLICH unsere Gesundheit ruinieren, ist mir von heute an bis ich hoffentlich alt, runzelig und glücklich sterbe, ein Rätsel.

Schwestern, vereinigt euch – mit oder ohne Kopftuch – aber bitte zieht euch was Bequemes an! Ihr könnt dann besser schlafen.

Und hier die versprochenen Links – meldet euch gern in den Kommentaren, wenn euch noch was fehlt:


Sexismus: #OhneMich“ von Barbara Kuchler auf zeit.de

Homepage und Onlineshop von Leguano Barfußschuhe

Youtube-Video „Mädchen“ von Lucilectric

Youtube-Video „Wannabe“ von den Spice Girls

Youtube-Video „Jein“ von Fettes Brot

Youtube-Video „Insomnia“ (I can’t get no sleep“) von Faithless

Wikipedia-Artikel zur Fuß-Reflexzonenmassage

Wikipedia-Artikel zur Osteopathie (Alternativmedizin)

Wikipedia-Artikel zu kinesiologischen Tapes

Ein neues Logo

Meine neue gewaltige und doch gewaltlose Waffe voller Schönheit, Herz und Licht

Seit heute strahlt ein richtiges Lichtrosenkriegerinnen-Logo auf meiner Website! Eine einzigartige Lichtrose, meine neue gewaltige und doch gewaltlose Waffe voller Schönheit, Herz und Licht, die mit mir in all die Rosenkriege und andere Schlachten ziehen möge, die da draußen in den digitalen und in den echten Welten auf mich warten…

Da hatte ich mir schon überlegt, welche Grafiker/innen oder Menschen, die welche kennen, ich in meinem Umfeld gezielt ansprechen kann, um gemeinsam ein Logo für meinen Blog und meine Facebookseite zu entwickeln. Und da habe ich völlig vergessen, dass ich mit der besten Nachwuchsgrafikerin der Welt unter einem Dach lebe!

Vielen lieben Dank an meine wunderbare Tochter dafür, dass sie ohne Zögern und ohne Bitten vorgeschlagen hat, ein Logo für mich zu entwerfen, und dies dann auch prompt umgesetzt hat. Allen, die es wissen wollen, mitzuteilen, wer die Logo-Urheberin ist, war ihr Preis, den ich gern zu zahlen bereit bin. Man verzeihe, dass das Logo analog erstellt wurde: Die Künstlerin geht noch zur Grundschule… 😉

Schreibt mir gern, was ihr von dem Logo haltet. Aber wundert euch nicht, dass ich uneingeschränkt parteiisch bin… 😉

Falls ihr mehr über meinen Nickname „Lichtrosenkriegerin“ erfahren wollt, lest meinen Beitrag darüber hier.

Warum ich Luftschlangen und Konfetti liebe

Als mein Bruder und ich noch klein waren, gab es ein unumstößliches und jährlich innigst erwartetes Ritual zu Silvester. Rituale sollen dem Familienalltag ja Struktur und Verlässlichkeit geben. Dieses Ritual tat das sicherlich auch. Aber es gab unserem Alltag auch etwas Ekstatisches: die alljährliche Luftschlangenschlacht. Meine Eltern vergaßen niemals, zu Silvester ein paar Packungen billige Papierluftschlangen zu kaufen. Damit durften wir schon am Silvestermorgen den Weihnachtsbaum und das ganze Wohnzimmer schmücken, um uns auf die Feier zum Jahreswechsel einzustimmen. Aber das Großartigste war die Schlacht am Abend. Dafür wurden stets mindestens noch einmal so viele Luftschlangen, wie zum Schmücken benötigt wurden, beiseite gelegt für später.

Als wäre es Herbstlaub und wir im Freien

Irgendwann vor oder nach dem Fondue, nach oder vor dem Bleigießen, zwischen dem endlosen Warten auf Mitternacht war es soweit: Mein Bruder und ich durften sich völlig ausgelassen auf die übrigen Luftschlangen stürzen und daraus zunächst einen riesengroßen Papier-Spagetti-Berg erschaffen. In diesen durften wir uns dann nach Herzenslust stürzen und – als wäre es Herbstlaub und wir im Freien – die Schlangen in die Luft werfen, über uns herabregnen lassen, uns gegenseitig damit bewerfen und uns ganz und gar darin verlieren. Zudem wurden die Schlangen allesamt um mindestens einen Kopf kürzer gemacht und im Laufe des Rituals wurden so aus ehemaligen Luftschlangen zusehends – Konfetti. Was für eine herrlich infantile Metamorphose, eine kindliche – oder kindische? – Verwandlung, die wir da erleben durften!

Das ist doch Murphys Kinder-einfach-mal-Machen-lassen-Gesetz

Am Ende des Rituals stand die Pflicht, den ganzen Papierschnipselhaufen brav wieder zusammenzufegen und zu entsorgen. Schließlich fand die Luftschlangenschlacht mitten im Wohnzimmer, direkt neben dem Esstisch, quasi zu Füßen des Weihnachtsbaums statt. – Weiß Gott, bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie uns solche kleinen Verrücktheiten erlaubt haben! Ob wir – Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter – wirklich alle Luftschlangenstücke erwischt und das ganze Wohnzimmer wieder picobello sauber bekommen haben? Selbstverständlich nicht. Ob meine Eltern am Ende sicherlich noch einmal hinterherräumen mussten und bunte Papierfetzen an Stellen in ihrem Haus fanden, wo sie eigentlich nach den Gesetzen der Physik niemals hätten landen können? Ganz bestimmt. Das ist doch Murphys Kinder-einfach-mal-Machen-lassen-Gesetz, oder?

Heute bin ich Mitte 30 und mein Kind ist selbst im Grundschulalter. Vor einigen Jahren hatte ich einmal zu einer Familien-Silvesterfeier bei Freunden die, wie ich fand, großartige Idee, ein paar Packungen billige Luftschlangen mitzubringen. Die Kinder fanden das genauso toll wie ich. Wie ich im Nachhinein erfahren hatte, war die Dame des Hauses wenig bis gar nicht begeistert, dass ich das ohne Absprache mit ihr gemacht hatte. Die mehrfache Mutter war leicht frustriert, nun in den nächsten Wochen bestimmt überall diese dämlichen Papierfetzen wiederfinden zu müssen. Das tat mir leid. Und ich hatte auch ein gewisses Verständnis und infolge dessen auch ein schlechtes Gewissen. Aber es ärgerte mich irgendwie auch ein bisschen…

Ein paar Krümel Konfetti – eine gewisse Ahnung nach etwas Ausgelassenem

Vor Kurzem durfte mein Kind seinen Geburtstag nachfeiern: eine Faschingsparty – passend zur fünften Jahreszeit. Im Vorfeld hatten wir selbst gebastelte Einladungen verschickt und in den Umschlägen durfte zur Vorfreude was nicht fehlen? Ein paar Krümel Konfetti natürlich, die beim Öffnen und Lesen der Einladung auf die Tischplatte, den Schoß oder auch den Fußboden rieseln sollten. Und die eine gewisse Ahnung vermitteln mochten, dass die Kinder auch etwas Ausgelassenes und vielleicht sogar Ekstatisches erwarten durften.

Tatsächlich bekam ich von einer Mutter die Rückmeldung, dass das mit dem Konfetti echt eine blöde Idee war. Ich wüsste doch, dass bei ihr Hunde und Katzen im Haushalt leben würden und jetzt müsste sie der Katze hinterherlaufen, dass sie das Konfetti nicht frisst. Am Ende sagte sie noch – gleichzeitig eine meiner besten Freundinnen: „Alles gut! Das ist nicht ganz ernst gemeint.“ Aber da war es schon wieder. Dieses gemischte Gefühl. Verständnis. Schlechtes Gewissen. Aber auch Ärger.

Ein Kollektiver kindlicher Konfetti-aus-dem-Teppich-zupf-und-zurück-in-den-Flur-fege-Kontest

Ob es auf der Faschingsparty meines Kindes eine Luftschlangenschlacht gab? Nein! Es gab eine Luftschlangen und eine Konfetti-Schlacht! Zum Höhepunkt stand ein Kind auf einem Stuhl und ließ Konfetti auf seine Freunde herabregnen. Ein anderes hatte den Föhn im Badezimmer gefunden und begann, Konfetti unter der Küchentürritze in die Küche zu föhnen, weil das Konfetti ja im Flur bleiben und nicht in der Küche oder im Wohnzimmer landen durfte. Das Essen und der Hochflorteppich sollten verschont bleiben. Irgendwann saßen die Kinder auf dem Hochflorteppich, haben Stofftieren und sich selbst die verrücktesten Luftschlangenfrisuren verpasst… Ob ich laut geworden bin? Ja. Einmal. Dann gab es einen kollektiven kindlichen Konfetti-aus-dem-Teppich-zupf-und-zurück-in-den-Flur-fege-Kontest und am nächsten Morgen war der Teppich selbstverständlich wieder voller Konfetti.

Ein Meer aus Papier und wunderschönen Erinnerungen

Na und? Ich freue mich jetzt schon darauf, noch Wochen später Konfetti an Stellen in meinem Haus zu finden, wo es nach allen Gesetzen der Physik eigentlich niemals hätte landen dürfen. Und mit jedem einzelnen Schnipsel werde ich in ein imaginäres Meer aus Papier und wunderschönen Erinnerungen eintauchen.

Eine halbe Stunde

Kurzgeschichte vom 11.12.1996 (da war ich 15 Jahre jung, meinen Mann sollte ich erst 3 Jahre später kennen lernen und: Nein, die Geschichte ist nicht autobiografisch)

Unpassend. Es sah einfach unpassend aus. Der ganze Raum war in ihrem persönlichen, vielleicht etwas altmodischen Stil eingerichtet. Im Eichenregal standen alte, verstaubte Bücher, deren Herkunft nicht einmal sie genau zu bestimmen vermochte. Großmutters vollkommen zerschlissene Sitzkissen waren von dem mit braunem, fleckigen Leder bezogenen Sofa einfach nicht mehr wegzudenken. Diese drei Sachen waren im Wohnzimmer wohl die Superlative ihres doch so eigenen Stils.

Doch mitten in diesem Stil hing nun dieses unpassende Foto von ihm. Er grinste mit dem breitesten Grinsen, das er zu grinsen fähig war, trug einen grellgrünen Pullover und tanzte völlig ausgelassen, auf seine coole Art, die er nicht nur auf derartigen Veranstaltungen nach außen kehrte, in einer Diskothek zwischen ein paar anderen Ravern.

Es war erst drei Minuten her, dass sie auf die Uhr geschaut und festgestellt hatte, dass sie noch eine halbe Stunde Zeit hatte.

Immer wenn sie hier auf dem Sofa saß oder lag und nicht so recht etwas mit sich anzufangen wusste, schaute sie auf dieses Bild. Auch jetzt tat sie das. Und gerade jetzt fiel ihr auf, dass dieses Bild unpassend wirkte, unpassend war. Wie lange schaute sie es schon so an? Zehn Minuten? Ein Blick auf die Armbanduhr ließ sie wissen, dass es noch nicht einmal drei gewesen waren. Drei Minuten – es war erst drei Minuten her, dass sie auf die Uhr geschaut und festgestellt hatte, dass sie noch eine halbe Stunde Zeit hatte.

Ein ratloser Blick war dem für sie plötzlich so unpassenden Bild noch vergönnt, bevor sie sich ihren Fingernägeln zuwendete. Wenn ihr langweilig war, schaute sie auf ihre Fingernägel; das war immer so, auch bei Nervosität. Meistens fand sie immer eine Kante, die ihr nicht gefiel. An der begann sie dann herumzuknabbern. Diese äußerst schlechte Angewohnheit setzte sich, wenn sie die Zeit hatte, so lange fort, bis der ganze Nagel bis auf das Kürzeste heruntergekaut war. Falls sie nun besonders viel Zeit hatte, ziemlich unruhig und der Möglichkeit nach allein war, begann sie die freigeknabberte Nagelhaut zwischen die Schneidezähne zu nehmen und daran zu zupfen, bis Blut zum Vorschein kam.

Jetzt trafen alle Wenns ein und sie schien alle Zeit der Welt zu haben, zumindest kam ihr die halbe Stunde, die sich inzwischen schon zu erträglicheren fünfundzwanzig Minuten gewandelt hatte, so vor.

Es war eine dieser Angewohnheiten, wie für ihn zum Beispiel das Rauchen.

Aber es klingelte glücklicherweise das Telefon, bevor sie sich dem nächsten Opfer zuwenden konnte. Sie merkte es nie richtig, wenn sie sich derart selbst verstümmelte. Es war eine dieser Angewohnheiten, bei denen man mit seinen Gedanken meist nicht bei der Sache zu sein pflegte, wie für ihn zum Beispiel das Rauchen.

Er hatte damit angefangen, als er noch nicht mal dreizehn war; es war cool, etwas Verbotenes zu tun. Wenn er heute zur Zigarette griff, merkte er es nicht, er tat es einfach, beinahe instinktiv. Er rauchte gut und gerne eine Schachtel einer ihres Wissens ziemlich starken Marke am Tag. Sie hatte schon mehrfach versucht, ihm dieses Laster abzugewöhnen, indem sie ihm von ihrem verstorbenen Großvater erzählte, der stets viel geraucht hatte. Doch er entgegnete ihr jedes Mal mit neuen, zunächst einleuchtenden Argumenten. Wenn ihr Tage später dann Möglichkeiten der Widerlegung einfielen, mochte sie das Thema nicht noch einmal ansprechen, um einem Streit aus dem Wege zu gehen.

Aber irgendwie war sie eben nicht in der Stimmung, sich das Leben leichter zu machen.

Sie griff zum Hörer. Höchstwahrscheinlich war es Tina. Sie wollte sie doch noch einmal anrufen, oder? Sie glaubte, dass es so war. Seltsamerweise hatte sie keine allzu große Lust auf ein Telefongespräch mit ihrer besten Freundin, obwohl sie das sonst bei derart fehlendem Tatendrang begrüßte. Jetzt hätte sie jemanden zum Ablenken gebrauchen können, jemanden, der ihr die gut zwanzig Minuten auf humorvolle Art hätte kürzer vorkommen lassen. Aber irgendwie war sie eben nicht in der Stimmung, sich das Leben leichter zu machen.

Sie nahm ab. „Hallo?“ Es war nur das deprimierende, monotone Tuten in der Leitung zu hören. Als sie klein war, hatte sie sich auch nie getraut, sich zu entschuldigen, wenn sie sich verwählt hatte. Sie hatte immer Angst gehabt, dass die Person am anderen Ende sauer sein könnte. Noch viel chaotischere Gedanken durchkreuzten damals ihren Geist. Es hatte immer ein unkommentiertes, rasches Auflegen zur Folge. Heute hasste sie es, wenn ihr als Angerufene so etwas geschah, gerade weil sie zu den Menschen gehörte, die sich immer wieder das Schlimmste auszumalen vermochten. Fantasievollste Vorstellungen, die das stumme Auflegen des Telefongegenübers begründen wollten, wurden konstruiert. Aber auch Verständnis für den Fall, dass der Unbekannte kindlichen Alters gewesen sein sollte.

Ihr Telefon hatte eine Gabel, einen hässlichen Braunton und eine Wählscheibe – all das passte zu ihrem Stil

Langsam ließ sie den Hörer aus den Händen auf die Gabel gleiten. Ihr Telefon war noch eines der wenigen, die noch eine richtige Gabel anstelle metallischer Kontakte besaßen, die dem Hörer einen digitalen Piepton entlockten anstatt mechanisch zu klacken. Es hatte eine Gabel, einen hässlichen Braunton und eine Wählscheibe – all das passte zu ihrem Stil.

Sie begab sich langsam wieder zum Sofa, um sich zu setzen. Als sie voller Unwissenheit, was sie nun tun sollte, wieder auf ihre Nägel herabschaute, überkam sie ein stummer, kurzer Schrei der Verzweiflung. Es gelang ihr einfach nicht, davon abzulassen. Sie setzte sich auf ihre Handflächen, um der Versuchung, deren Gliedmaßen ansehen zu müssen, zu widerstehen. Dabei streifte ihr Blick wieder das unpassende Bild.

Es war ihr vor lauter Vorfreude nicht möglich, einen so minimalen Zeitraum auszufüllen.

In neunzehn Minuten würde er hier sein. Sie konnte es nicht erwarten. Es war ihr vor lauter Vorfreude nicht möglich, einen so minimalen Zeitraum auszufüllen. Dabei schien er so minimal gar nicht zu sein. Theoretisch könnte sie so viel schaffen, aber sie hatte weder die Lust, noch die Einfälle für große oder kleine Taten. Was auch immer eine große oder kleine Tat sein mochten, das Nägelkauen war es sicher nicht, sicher keine sinnvolle.

Vom unpassenden Bild fiel ihr Blick auf den Fernseher. Fernsehen? Um diese Zeit? Nur mit Widerwillen griff sie zu der neben ihr auf der Sitzfläche liegenden Fernbedienung und schaltete das Gerät ein. Sie wollte nicht wahrhaben, dass ihr partout nichts Sinnvolleres einfallen mochte, einen weiträumig gesehen doch so minimalen Zeithohlraum zu überbrücken.

Sie sollte eine Brücke bauen über eine schrecklich breite Schlucht sinnloser neunzehn Minuten.

Überbrücken – sie sollte eine Brücke bauen; eine imaginäre Brücke zwischen jetzt und später, eine Brücke über eine unendlich tiefe, schrecklich breite Schlucht sinnloser neunzehn Minuten. Ein Blick auf die Uhr ließ sie wissen, dass es inzwischen nur noch achtzehn gab. Sie war noch nie besonders gut im Konstruieren von tatsächlichen Gegenständen gewesen, wobei ihr ja neuerdings auch die erdachten Schwierigkeiten zu bereiten schienen. Sie wollte nicht glauben, dass dieses Gefühl der Ungeduld ihren gesamten Einfallsreichtum lahmlegte.

Klick – Klick. „Und nun das Wetter.“ Klick – „Aber Liebling, das würde ich doch nie…“ – Klick – „Heute meldete das Katastrophen…“ Klick – Klick. Mit für sie unwesentlicher Anteilnahme beobachtete sie, wie eine gut gekleidete, blond gelockte Nachrichten Sprecherin in einem schwarzen Loch verschwand, und legte die Fernbedienung wieder auf die Sitzfläche. Ohne zu bemerken, dass sie wieder ihre Fingernägel strapazierte, streifte ihr gedankenverlorener Blick beim Umherwandern durch das Zimmer wie ein Suchscheinwerfer das unpassende Bild, ließ es zunächst dort, wo es war, und kehrte danach dorthin zurück, fixierte es diesmal. Sie wurde sich unsicher. Unsicher –

Ein schrilles Piepen riss sie aus ihrem kaum begonnen Gedanken. Als wäre es ein Reflex, griff ihre rechte Hand auf das Tischchen neben dem Sofa, suchte blind, wie sie war, nach dem zu einem Wecker gehörenden Schalter. Sie sollte jetzt aufwachen. Es war von ihr nie geplant, dass ein dreißigminütiger Zeithohlraum entsteht. Viertel vor – noch fünfzehn Minuten also.

Das unpassende Bild von ihm wollte ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen. Es und er passten nicht zu ihrem Stil, passten nicht zu ihr.

Die Vorstellung, dass erst die Hälfte der Brücke fertiggestellt sein sollte, quälte sie erbärmlich. Sie hatte ihren vorherigen Gedanken verloren und beschloss, über ihn nachzudenken. Über ihn und sich. Dabei wollte ihr das unpassende Bild nicht mehr aus dem Kopf gehen. So, wie das Bild war, war es unpassend, aber so, wie er war, war das Bild. Er war, was das Bild aussagte: sprunghaft, oberflächlich, witzig, eigensinnig, abenteuerlustig. Er war prinzipiell genauso unpassend wie das Foto von ihm. Es und er passten nicht zu ihrem Stil, passten nicht zu ihr.

Sie wurde wieder unsicher, ohne sich bewusst zu sein, es kurz zuvor schon einmal gewesen zu sein. War es nicht ein Teil ihres Stils, unpassend zu sein? Schaute man sich in ihrer Wohnung um, sah man doch keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen sich hier befindlichen Gegenständen. Gewiss erkannte sie die Zusammenhänge, die allerdings oft und weitestgehend privater Natur und mit bestimmten Erinnerungen herzustellen waren. Ihr Stil war in gewisser Hinsicht unpassend, unordentlich, aber nicht oberflächlich; es sah oft nur so aus, obwohl alles seinen Platz, an der richtigen Stelle hatte.

Sie passten nicht zusammen, doch wie sie sich nun eingestehen musste, 
hatte sie eine Schwäche für Unpassendes. 

Sie war so anders, lebte in ihrer eigenen Welt, mit ihren Gedanken, ihren gut durchdachten Überlegungen, wie man die Erde zu einem besseren Ort machen könnte, indem man die Präsidenten dazu brachte, ihre Atomwaffen zu vernichten. Er war eine dieser Personen, die sich nie einen Kopf zu machen schienen und es anderen mit ihrer eigensinnigen, selbstverliebten Art nicht unbedingt leicht machten, aber hin und wieder aufregend. Einer von solchen Menschen, denen man nachsagen konnte, das Chaos erfunden zu haben: wild, aber berechenbar, wenn man ihn kannte. Sie waren beide sehr verschieden. Aber sie liebte ihn und soweit sie das beurteilen konnte, erwiderte er ihre Gefühle auf seine Art.

Angst und ein fast schizophrenes Gefühl überkamen sie.

Natürlich hatten sie auch Gemeinsamkeiten. Aber das waren dann solche, die man lange und intensiv suchen, die betreffenden Personen also gut kennen musste, um sie zu finden. Zum Beispiel waren sie beide gesellige Einzelgänger, aber jeder auf seine eigene Art. Und das waren wiederum zwei Arten, zwischen denen Welten lagen. Sie waren sehr verschieden, ihre Liebe jedoch war stark, worüber sie sich momentan wunderte. Sie passten nicht zusammen, doch wie sie sich nun eingestehen musste, hatte sie eine Schwäche für Unpassendes. Es war ein Teil ihres Stils – er war ein Teil ihres Stils. Sie passten nicht zusammen – und gehörten es deshalb.

Unpassend, Stil, Liebe. Abstrakte Gedanken durchkreuzten ihren Verstand, verloren sich, wurden wieder aufgegriffen. Abstrakte Gedanken, dumme Gedanken? Fast so wie in einem Traum. Als wäre das Unterbewusstsein bei wachem Verstand mächtig genug, die Kontrolle zu erlangen und wirre Bilder zu schaffen. Angst und ein fast schizophrenes Gefühl überkamen sie, überwältigten sie kurzfristig. Doch dann schlug sie die Augen auf, um festzustellen, dass sie tatsächlich kurz eingenickt war.

Ein automatischer Blick auf die Uhr ließ sie wissen, dass es noch zwei Minuten dauern sollte. Die Brücke war also beinahe vollendet. Schläfrig, wie ihr Verstand noch war, besiegte ihn das Unterbewusstsein ein weiteres Mal und ließ für sie real werden, was bis zum dem Zeitpunkt nur Gedankenspiele waren.

Sie sah sich auf der Brücke wieder. Einen Abstand von zwei, vielleicht drei Schritten gab es zu springen, dann wäre sie auf der anderen Seite. Aber hier, wo sie sich befand, wo immer es sein mochte, konnte sie, durfte sie nicht springen. Sie musste die Brücke fertigstellen, um auf die andere Seite zu gelangen. Do wo waren die Steine? An anderen Tagen lagen sie einfach herum, fielen ihr regelrecht in die Hände, legten sich wie von selbst an die anderen. Das ging dann so schnell, dass es ihr Angst einflößte, sie die Brücke am liebsten zerstören würde, um am anderen Rand zu verweilen. Aber das ging nicht, so sehr sie es manchmal auch wünschte.

Die Zeit, die sonst ein wilder Tiger war, wollte heute nicht mehr sein als ein Schmusekätzchen.

Heute suchte sie die Steine verzweifelt. Wenn sie denn einen fand, waren sie schwer wie Blei, ließen sich nur schleppend bewegen, Millimeter für Millimeter. So schleppend, wie sich heute der Sekundenzeiger ihrer Uhr vorwärts bewegte. Das sonst so deprimierend schier unaufhaltsame Ticken wurde heute zum beruhigenden Takt, der ihr versicherte, dass der Zeitpunkt schon kommen würde.

Verdammt! Es waren doch nur noch ein, zwei Schritte! War es denn so schwierig sie zu überwinden, die Brücke fertigzustellen? Die Zeit, die sonst ein wilder Tiger war, der sie unerbittlich hetzte, wollte heute nicht mehr sein als ein Schmusekätzchen, das nicht fähig war alleine zu laufen.

Ihr Verstand besiegte ihr Unterbewusstsein und öffnete ihr wieder das Tor in die Wirklichkeit. Auf ihrer Uhr war es fünf Minuten nach. Es war geschafft. Der Brückenbau war abgeschlossen. Endlich. Intensive Freude überkam sie. Sie konnte es kaum noch abwarten, in seinen Armen zu sein. Das unpassende Bild geriet in ihren Blickwinkel; nun betrachtete sie es wie nie zuvor, aus einer völlig anderen Perspektive, einer, aus der es ihr noch nie möglich gewesen war, es zu betrachten. Sie passten nicht zusammen und gehörten es deshalb.

Schon fünf Minuten zu spät. Wo blieb er nur? Die Aufregung zauberte ihr Hirngespinste in den Sinn.

Kaum saß sie dreißig Sekunden der Freude auf ihrem Platz, wurde sie schon wieder unruhig und nachdenklich: schon fünf Minuten zu spät. Wo blieb er nur? War etwas passiert? Sie kaute wieder auf ihren Nägeln, war sich dessen auch teils bewusst, aber es war ihr weitestgehend egal. Superlative des Schicksals breiteten sich in ihrem Geist aus: ein Autounfall, ein Überfall… Sie sah sich schon im Leichenschauhaus vor einem blassen, gräulich verfärbten, jungen toten Mann stehen, als sie sich selbst zur Vernunft bringen musste.

Die Aufregung zauberte ihr Hirngespinste in den Sinn. Aber warum kam er denn nicht? Sie hatte so lange gewartet und es war ihr nicht möglich, noch eine Sekunde länger zu warten. Sie ging zum Telefon und nahm den Hörer von der Gabel. Es klingelte. Bruchteile von Sekunden verwirrte sie die Vermutung, das Telefon würde klingeln. Sie begab sich immer schneller werdend zur Wohnungstür. Die halbe Stunde lief vor ihrem geistigen Auge noch einmal ab. Sie kam ihr vor wie ein halbes Leben, wie eine zehnjährige Gefängnisstrafe, die sie hatte absitzen müssen. Heute war Tag der Entlassung. Kaum zu fassen, dass er tatsächlich gekommen war. Kaum zu fassen, dass sie jetzt endlich die Tür öffnen durfte.

Vollkommen außer Atem und total verschwitzt stand er vor ihr. Anscheinend regnete es draußen, denn seine Kleidung war bis auf die Haut durchnässt. Er schaute sie mit seinen graugrünen Augen an, lächelte sein typisch sanftes Lächeln: „Sorry, hab‘ mich zwar beeilt, aber… Naja, du kennst mich ja. Ich hab‘ Pizza mitgebracht – hab‘ aber nur ’ne halbe Stunde Zeit…“