Mein Beitrag für „Fridays for Future“ #2

Jeden Donnerstag veröffentliche ich einen Text aus meiner Jugend, um meine Solidarität mit der „Fridays for Future“-Bewegung zu zeigen. Um jungen und allen anderen Menschen Mut zu machen, gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu kämpfen für eine bessere Zukunft! Ihr seid nicht allein! Kämpft weiter! Ich kämpfe mit euch!

Eure Lichtrosenkriegerin

Ich bin mir nicht sicher, wie alt ich war, als ich diese Gedanken niederschrieb, auf jeden Fall jünger als 15. Da ich im Original alte Rechtschreibung verwende, muss der Text nämlich vor 1996 entstanden sein. Ich Fuchs! 😉

Gedanken einer Jugendlichen zur Menschheit

Alles, was wir nicht verstehen, wollen wir begreifen. Alles, was wir nicht begreifen, wollen wir zerstören. Und warum zerstört sich der Mensch dann selbst?

Bereits unsere Urahnen, die Römer, die Urzeitmenschen, führten Krieg gegeneinander. Zum Töten, für Macht, für Besitz, Reichtum. Kriege zum Kriegen.

Christoph Columbus hat die Neue Welt entdeckt. Sie war aber nicht neu. Wir kannten sie nur nicht. Wir entdeckten sie und entblößten sie, erbeuteten sie, beuteten sie aus. Heute klagen wir über Überbevölkerung? Entdecken wir doch einfach ein neues Land!

Dummheit bedeutet in den Augen vieler Minderwertigkeit. Ein Mensch, der nicht so schlau ist wie ich, ist nicht weniger wert als ich, er ist nur anders als ich. Mehr nicht.

Ende bedeutet meistens auch Anfang. Etwas Neues wird beginnen, aber vielleicht ohne uns. Die Welt wird von Neuem beginnen, wenn wir nicht mehr da sind, aber ohne uns.

Freiheit heißt Eigenständigkeit. Viele Menschen sind nicht frei. Sie werden vielleicht nie erfahren, was frei sein bedeutet. Vielleicht werden wir nie erfahren, was Gefangenschaft bedeutet. Kann man wissen, was Freiheit ist, wenn man nie gefangen war?

Meine Gedanken zur FFF-Kritik:
Viele belächeln ja die kompromisslosen Forderungen der Jungen als naiv… Das finde ich anmaßend. Ist es in einer funktionierenden Gesellschaft nicht geradezu die Aufgabe der jungen Generationen, kompromisslos und ehrlich auf die Fehler der alten Generationen hinzuweisen – den salzigen Finger in die blutenden Wunden der Gesellschaft zu legen? Und zwar ohne gleich eine bis zu Ende gedachte Lösung parat zu haben! Und ab welchem Alter darf man denn von den Erwachsenen ernst genommen werden? Als Goethe seinen “Götz von Berlichingen” schrieb, war er keine 25 Jahre alt. Malala Yousafzai war 17, als sie den Friedensnobelpreis gewann. Marco Polo begab sich ebenfalls mit 17 auf die Asienreise, die ihm zu Weltruhm verhalf.

Und apropos kompromisslos und erwachsen. Wie kompromissbereit und erwachsen verhalten sich denn die Mächtigen dieser Welt aktuell? In Russland? In Nordamerika? In Syrien? In China? In Nordkorea?

Liebe Erwachsenen: Hört den Jungen zu, sie haben etwas sehr, sehr Wichtiges zu sagen! Und: Die Lösungen müssen wir alle gemeinsam finden!

Mein Beitrag für „Fridays for Future“ #1

Mein Beitrag für “Fridays for Future” #1

Dieses Gedicht habe ich vor mehr als 25 Jahren geschrieben und es wurde Weihnachten 1993 in unserer Lokalzeitung abgedruckt. Ich war damals 11 Jahre alt. Schon damals eine hoffnungslose Weltverbessererin.

Von heute an werde ich jeden Donnerstag einen Text aus meiner Jugend veröffentlichen, um meine Solidarität mit der “Fridays for Future”-Bewegung zu zeigen. Um jungen und allen anderen Menschen Mut zu machen, gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu kämpfen für eine bessere Zukunft! Ihr seid nicht allein! Kämpft weiter! Ich kämpfe mit euch!

Eure Lichtrosenkriegerin

Die Erde, der blaue Planet

Unsere Erde, der “blaue Planet”
hat viele Wunden, und keinen der sie näht.
Aus der einen Wunde steigt empor
ein Land, das seinen Glanz verlor.
Jugoslawien – Krieg und Kampf sind dort.
Nun ist es ein sehr schlimmer Ort.
Auch andere Gegenden, wo Furcht und Schrecken
herrschen, gibt an ganz vielen Flecken.
Diebstahl begehen viele Leute,
klauen, rauben fette Beute.
Das ist schlecht und gar nicht fair,
denn es schadet andern sehr.
Über dies kann ich auch nicht lachen:
Töten um Profit zu machen.
Andre kommen dann in Not!
Hör ich so was, seh’ ich rot!
Mord und Waffen sind nicht gut.
Da krieg ich wirklich eine Wut.
Jeder weiß, wie gemein die Menschen sind,
doch weiß ich, das Gute nur gewinnt.
Wir kämpfen gegen solche Schande an.
Ihr werdet seh’n, es dauert nicht mehr lang.
Dann gibt es nur noch Gutes auf der Welt,
wo es allen Menschen dann gefällt.


Wie kam ich darauf, eine “Fridays for Future”-Serie zu starten?

Weiterführende Links findet ihr unten.

Jeden Freitag passiert gerade etwas Großartiges auf der Welt. Es begann in Schweden mit einer einzigen 16-jährigen Klimaaktivistin Greta Thunberg, die vor schierer Zukunftsangst krank geworden ist. Aus einer ganz realen Angst davor, dass die Menschheit den Ast, auf dem sie seit Jahrtausenden sitzt, irreparabel kaputtsägt. Greta wurde krank aus Angst davor, dass unser Klima kippen wird, dass Ökosysteme kippen werden, dass ganze Erdteile unbewohnbar werden, dass noch mehr Kriege ausbrechen, dass wir, die Menschheit, unseren Planeten für uns selbst langfristig unbewohnbar machen.

Was hat Greta Thunberg aus ihrer blutjungen Lebenskrise geführt? Ein unerschrockenes und unerschütterliches politisches Engagement für eine radikale Wende in der Politik: für radikalen Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, für einen Planeten, auf dem 8 Milliarden Menschen in Frieden und auskömmlich leben können. (Wie das geht, legt im Übrigen u.a. Felix zu Löwenstein in seinen Büchern vor.) Greta begann jeden Freitag – ganz allein – vor dem schwedischen Reichstag für das Klima zu demonstrieren. Das war im August 2018.

Inzwischen ist daraus eine weltweite Jugendbewegung unter dem Titel “Fridays for Future” (FFF) geworden und Greta wurde sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Über Social Media verfolge ich Gretas Engagement und die Entwicklung der Bewegung schon seit mehreren Monaten mit Begeisterung. Am 15. März 2019 feierte FFF seinen bisherigen Höhepunkt mit mehr als 2000 Protestveranstaltungen in mehr als 120 Ländern weltweit uns insgesamt mehreren Hunderttausend Teilnehmenden. Einige Quellen sprechen sogar von einer Million. Als ich dies am Morgen des 16. März auf Facebook las, kamen mir Tränen der Rührung.

Und ich dachte mir, es kann kein Zufall sein, dass du gerade jetzt deinen Blog gestartet hast. Dass du gerade jetzt die alten Gedichte und Geschichte deines jugendlichen Selbsts aus dem Schuhkarton gekramt hast und voller Ehrfurcht und Empathie für dein inneres Kind versuchst, etwas von deinem damaligen unerschrockenen Kampfgeist zurückzugewinnen. Zurückzufinden zu der jungen Dame, für die aus dem Rahmen zu fallen und sich damit auch unbeliebt zu machen, völlig in Ordnung war, so lange es doch dem Kampf für eine bessere Welt galt. Schlicht und einfach. Kindlich naiv würden manche sagen. Juvenil genial sage ich. Und schon längst gibt es auch die “Scientists for Future”, die sich auf die Seite der Jungen schlagen. Denn: Wir haben weder einen Plan B, noch einen Planeten B.

Weiterführende Links:

Fridays for Future Deutschland

Interview zur jungen Geschichte von Greta Thunberg

Die Tagesschau über die FFF-Demos am 15.03.2019

Deutschlandfunk über die FFF-Demos am 15.03.2019

Homepage der Scientists for Future

Buch-Tipps:

Felix zu Löwenstein “Food Crash” und “Es ist genug da. Für alle.”

Druck Rausnehmen oder Ablassen?

Interessante weiterführende Links wie immer unten. Gerne liken, teilen und kommentieren! 🙂

Was ist der Unterschied zwischen Druck Rausnehmen und Druck Ablassen? Wenn einer vergisst Druck rauszunehmen, könnte es passieren, dass ein anderer mal unkontrolliert Druck ablässt. Kennt ihr das? Wenn Kollegen zu besonders dünnhäutigen Kollegen so Sätze sagen wie: “Darüber muss man sich jetzt wirklich nicht aufregen!” Abhängig von meiner Tagesform habe ich bei solchen Sätzen manchmal eine extrem kurze Zündschnur.

Wenn ich eine Schubkarre permanent wissentlich überlade und deshalb dann irgendwann der Reifen platzt… Dann sage ich doch auch nicht zu dem Reifen: “Deshalb muss man jetzt aber wirklich nicht platzen!”

Wenn die Schubkarre vorher regelmäßig korrekt gewartet worden wäre und immer korrekt beladen worden wäre, wenn der Reifen vielleicht mal gewechselt worden wäre… Wäre, würde, wunderbar. Klar, für die Wartung sind nicht nur die Kollegen oder der Arbeitgeber zuständig, sondern vor allem ich selbst. Und wenn ich mich überladen lasse, bin ich auch irgendwie mitverantwortlich.

Vielleicht bin ich auch gar nicht geplatzt, sondern habe nur gequietscht.

Vielleicht bin ich auch gar nicht geplatzt, sondern habe nur gequietscht. Dann hätte ich als Schraube an der Schubkarre aber auch nicht gern den Satz gehört: “Deshalb muss man jetzt aber wirklich nicht quietschen.” Vielleicht wollte ich lieber hören: “Ich höre du quietscht. Hattest du diese Woche überhaupt schon mal Zeit, geölt zu werden?” Oder: “Sag mal, du quietscht ja. Sollen wir uns deine Lasten vielleicht mal teilen? Ich glaube das ist echt zu viel für eine Schubkarre…”

Das wäre dann Druck Rausnehmen statt das Ablassen halbwissentlich abzuwarten. Und noch einmal: Zum Halbwissen gehören immer beide Seiten! Ich spiele sowieso lieber Hanabi anstatt Schwarzer Peter… 😉

Interessante Links zum Umgang mit eigener oder begegneter Hochsensibilität, Hochsensitivität oder Hochbegabung:

“Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal” von Birgit Trappmann

Tomke Lübcke Coaching – begabungspädagogisches Coaching

Und hier noch die Links für die Spieler unter uns:

Playmobil Country Online-Shop (für diverse Ersatzreifen… ;-))

Hanabi – Kooperatives Feuerwerkskartenspiel

Schwarzer Peter – Ravensburger

Wie man Scrabble spielend leicht den Frühjahrsputz meistert

Interessante Links zu den Themen Scrabble, Partnerschaft und (Familien-)Haushaltsführung habe ich euch unten zusammengestellt. Denn spätestens, wenn ihr meinen Blog gelesen habt, wisst ihr: Scrabble kann Haushalte, Ehen und Familien retten! 😉

Manchmal muss man auch schmutzige Wäsche waschen…
… während sich andere in Druidenhosen durch’s Yetireich bag(g)ern… 😉

Manchmal muss man auch schmutzige Wäsche waschen. Im Frühjahr fällt da besonders viel von an. Nicht nur Vorhänge, Gardinen und im Schrank verstaubte Tischdecken wollen wieder blütenweiß erstrahlen. Auch verstaubte Träume und eingemottete Freundschaften werden wieder aus dem Keller hervorgekramt und zeigen im gnadenlosen Licht der Frühlingssonne, wie vergessen und vernachlässigt sie aussehen.

Im Frühjahr fallen auch immer besonders viele Reparaturen an. Vielleicht hat sich die Heizung gerade noch so über den Winter gerettet und eine teure Wartung mit noch teureren Ersatzteilen steht für das Tauwetter an. Vielleicht haben sich aber auch kaputte Beziehungen gerade so weihnachtsgemästet über die Feiertage gerettet und blubbern nun Hilfe suchend irgendwo im Haus an der Wand entlang.
Auch hier ist ein guter fachlicher Rat manchmal teuer.

Zum Glück ist die Frühjahrssonne auf unserer Seite. Die Tage werden länger und so fällt das frühe Aufstehen auch am Wochenende gar nicht mehr so schwer. Wann sollen wir all die schmutzige Wäsche sonst waschen, wenn wir doch auch noch was vom Tag haben wollen? All die über die kalte Jahreszeit verdreckten Jacken und Mäntel, die noch einmal in der Waschtrommel Karussell fahren wollen, bevor sie wieder für lange Monate in der Saisonkleiderkiste verschwinden.

Wann sollen wir all die aufge(sc)hobenen schwierigen Beziehungsthemen sonst ansprechen, wenn wir doch abends, wenn das Kind schon im Bett ist, viel zu müde sind, um noch ein zielführendes Gespräch zustande zu bringen? Wenn wir aber auch morgens nur diese kostbare Zeit zwischen 6 und 8 Uhr haben, bevor das Kind schon wieder auf der Matte steht? Wann sollen wir all diese schmutzige Wäsche waschen?

Arbeitsteilung hilft, den Frühjahrsputz zu meistern. Einer kann immer etwas besser als der andere in einer Beziehung, in einer Familie. Einer hat mehr Sinn für Details und kümmert sich um die Frühlingsdeko oder um das Vertreiben böser Winterträume aus kindlichen Köpfchen. Ein anderer hat mehr Sinn für das große Ganze, möchte rausgehen und Rasenmähen, den Garten umgraben, den Zaun streichen, einen Finanzplan fürs neue Auto aufstellen oder endlich das vermaledeite Kinderzimmer aufräumen.

Einer hat mehr handwerkliches Geschick und stürzt sich auf jede lockere Schraube und Leiste im Haus. Ein anderer hat mehr Empathie und Einfühlungsvermögen und Sinn für die leisen Zwischentöne und legt Wert darauf, dass auch im menschlichen Miteinander daheim ein paar lockere Schrauben angezogen werden. Oder dass auch verbal und sozial knarzende Dielenbretter endlich nicht mehr jedem auf den Wecker gehen. Weil endlich mal genau hingeguckt wird, wo es knarzt und wie man das abstellen kann.

Einer ist vielleicht mehr so der Frühaufsteher und schmeißt schon die erste Maschine an, bevor der Puls des anderen überhaupt schon wieder im Stande ist, zwei menschliche Beine samt Rumpf und Dickschädel in der Senkrechten zu halten. Ein anderer ist die reinste Nachteule und kann noch mit dem Kind Scrabble spielen, während andere Familienmitglieder schon selig im Land der Frühlingsträume schlummern. Und sich träumend durch das Yetireich bag(g)ern. In Druidenhosen…

So lässt sich der Frühjahrsputz Scrabble spielend leicht meistern. Auch wenn man manchmal bergeweise schmutzige Wäsche waschen muss!

Interessante Scrabble-Links:

Offizielle deutsche Scrabble-Facebook-Seite von Matell

Homepage des Scrabble Deutschland e.V.

Buchtipps zum Beziehungs-Frühjahrsputz:

“Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest” von Zurhorst und Zurhorst

“Eitle Liebe” von Bärbel Wardetzki

Interessante Seiten mit Haushalts-Hacks:

“Ökologisch putzen mit Hausmitteln” auf utopia.de

Muttis Nähkästchen – Haushalts-Hacks für Working Mums

26 geniale Tricks auf wunderweib.de

Achilles erinnert mich an Feminismus und an Weihnachten

Ausgerechnet ein antiker Sagenheld soll fortan zu meinem ganz persönlichen Symbol des ganz alltäglichen Feminismus werden bzw. mich an alltäglichen Sexismus erinnern. Und an Weihnachten. Ihr seid verwirrt? Lesen hilft! Hier kommt mein Beitrag zum gestrigen Weltfrauentag. Bin gespannt, wie ihr darüber denkt. Zitate, erwähnte Songs und Hintergrundinfos habe ich euch ganz unten verlinkt.

Wer mit Muslimas über Kopftücher diskutiert, sollte auch mit Frauen über hochhackige Schuhe diskutieren.

Wer glaubt, Feminist zu sein, wenn er mit Muslimas über ihr Kopftuch diskutiert, müsste mit jeder Frau, die hochhackige oder auch nur unbequeme Schuhe oder zu enge Kleidung trägt, auch über ihre Kleiderwahl diskutieren. Das ist meine Überzeugung und daran hat mich eine ganz persönliche, kleine und auch nicht besonders spektakuläre, aber, wie ich finde, dennoch erzählenswerte Leidensgeschichte erinnert. (Einen Link zu einem sehr interessanten Manifest auf zeit.de, das meine steile These ein wenig stützt, findet ihr übrigens unten.)

Ich wollte mal nicht wie eine pragmatische Öko-Mutti, sondern wie eine hübsche Kollegin aussehen.

Wie ihr vielleicht wisst oder auch nicht, bin ich ganz schön öko und ganz schön gesundheitsbewusst. Ich versuche aber beständig, mich von meinen eigenen Ansprüchen nicht kaputt machen zu lassen. Eine lebenslange Herausforderung, die mein Leben aber durchaus spannend und auch sehr reich macht… Und so kam es, dass ich zur letzten Weihnachtsfeier, obwohl ich sonst fast nur Leguano Barfußschuhe oder gar keine Schuhe trage, seit sehr langer Zeit mal wieder hochhackige Schuhe trug. Ich bin ja nicht nur berufstätig, gesundheitsbewusst und öko, sondern auch Mutter und Hausfrau. Und ich komme nicht sooo oft raus. Und ich habe mich auf diese Weihnachtsfeier gefreut. Auf das Tanzen. Ich wollte mal nicht wie eine pragmatische Öko-Mutti, sondern wie eine hübsche Kollegin aussehen. Und ich wollte tanzen, tanzen, tanzen.

Ich hatte mir sogar flache, einigermaßen schicke Turnschuhe zum Später-wenn-eh-keiner-mehr-drauf-achtet-Anziehen eingepackt.

Nun hatte ich mein Körpergefühl, meine Überzeugungen und die Grenzen meiner Bein- und Rückenmuskulatur ja nicht komplett vergessen vor lauter übersteigerter und überfrachteter Vorfreude aufs Tanzen. Mitnichten! Ich hatte nicht nur hochhackige Schuhe zur Feier angezogen: Ich hatte mir sogar flache, einigermaßen schicke Turnschuhe zum Später-wenn-eh-keiner-mehr-drauf-achtet-Anziehen eingepackt. Denn meine schmerzenden Füße sollten das Letzte sein, was mich vom Tanzen abhält. Jawohl!

Ich habe mich zu “I can’t get no sleep” zum todsicheren Erstaunen eines so manchen Azubis an meine besten jugendlichen Techno-Partys erinnert.

So weit ein gar nicht so schlechter Plan. Denn ich habe getanzt. Als ob es kein Morgen gäbe. Ich habe mit Kolleginnen aus weit entfernten Abteilungen, die ich sonst nur zufällig einmal die Woche auf dem Flur treffe, 90er-Jahre-Songs von Lucilectric und den Spice Girls von vorne bis hinten mitgegrölt. Ich habe mit Kollegen “Jein” von Fettes Brot von 1996 bis 2019 durchgerappt. Ich habe mich zu “I can’t get no sleep” zum todsicheren Erstaunen eines so manchen Azubis an meine besten jugendlichen Techno-Partys erinnert. Kurzum: Ich hatte Spaß. Im Übrigen, ohne besonders viel getrunken zu haben. Sonst hätte ich ja konditionell auch niemals so viel tanzen können. Ich bin ja schließlich nicht blöd. Fast.

Ich hatte lediglich vergessen, mir meine ach so bequemen, gar nicht hohen, total flachen Zweitschuhe rechtzeitig anzuziehen. Nachdem ich bereits mindestens zwei Stunden annähernd nonstop durchgetanzt hatte, war es definitiv zu spät. Das merkte ich zwei Tage nach der Weihnachtsfeier. Meine Achillessehnen schmerzten bei jedem Schritt. Vor allem beim Treppensteigen oder bei längeren Spaziergängen. Nervig, aber verständlich nach so einer durchtanzten Nacht. Muskelkater. Normal. Dachte ich.

Die Schmerzen gingen aber nach mehreren Tagen nicht weg. Ok. Musst du wohl doch besser schonen. Machste vorsichtiger Yoga, gehst weniger und achtsamer spazieren. Gehst mehr schwimmen. Cremst die Fersen immer schön mit Arnikasalbe ein. Wird schon wieder. Dachte ich.

Schlafstörungen durch Stress – für berufstätige Mütter nun wirklich keine neue Erkenntnis.

Parallel dazu stellten sich bei mir ganz seltsame Schlaf- und Verdauungsprobleme ein. Ich will euch hier jetzt nicht mit zu delikaten Details ekeln, aber dass ich solche Probleme hatte, ist ein für die Geschichte wesentliches Detail. Also bitte merken. Ich habe im Moment auch mehr Stress als mir guttut. Weiß ich. Schlaf- und Verdauungsprobleme können auch von Stress kommen. Das ist für berufstätige Mütter nun wirklich keine neue Erkenntnis. Dementsprechend habe ich mir auch nicht mehr dabei gedacht, als das ich wirklich gut auf mich achten sollte, da mein Körper mir hier wohl gerade nicht nur einen, sondern mehrere Schüsse vor den Bug setzen möchte, um mir etwas mitzuteilen. Ok.

Aber diese doofen Achilles-Sehnen-Schmerzen. Die gingen trotz Schonen auch nicht weg. Und dann kam eine Bekannte zu Besuch übers Wochenende, die zufällig auch noch Physiotherapeutin ist. Wir sind – weil ich ja auf mich achten will – unter anderem in die Sauna gegangen. Nach einem Saunagang liegen wir im gemäßigten Ruhebereich so leise quatschend auf unseren Liegestühlen. Und ich erzähle ihr von meinen Achilles-Problemchen. Eigentlich wollte ich nur eine fachliche Meinung. Die Gratis-Massage, die davon begleitet wurde, habe ich aber auch gern mitgenommen.

Während meine Bekannte an meinen Hacken rummassierte, fing es in meinem Bauch in einer Tour an zu blubbern und zu rumoren.

Was ich dabei schon sehr interessant fand (Achtung! Ekelig, aber wichtig!): Während meine Bekannte an meinen Hacken rummassierte, fing es in meinem Bauch in einer Tour an zu blubbern und zu rumoren. Das sei auch nicht weiter verwunderlich, so meine Bekannte. Da, wo sie jetzt massiere, sitzen die Akkupressurpunkte von ganz vielen Organen und dem unteren Rücken und so. Aha.

Das fand ich aufrichtig interessant. Und ich solle bloß nicht zu sehr schonen. Es sei auch wichtig, dass ich die durch das hochhackige Tanzen gestauchten Sehnen wieder dehne. Wenn die richtig entzündet wären, wären sie dick und geschwollen, sind sie aber nicht. Na gut. Also weiter im selbst gebastelten Achilles-Schmerz-Bekämpfungsprogramm. Schlaf- und Verdauungsstörungen anhaltend.

Dann erwähnte ich das mit den Achilles-Schmerzen mal einer Freundin gegenüber, die zufällig auch noch Ärztin und ziemlich ganzheitlich unterwegs ist. Die hat mich dann zum Osteopathen geschickt. Und JETZT wird es creepy. Ich erzähle also bei der Osteopathin und manuellen Therapeutin brav, woher die Schmerzen kommen. Dass ich hochhackige Schuhe getragen habe, die ich sonst nicht trage. Dass ich zu viel getanzt habe, was ich sonst nicht tue. Und die unglaublich sympathische, patent, kompetent rüberkommende und Vertrauen erweckende Frau fragt mich Folgendes:

“Wachen Sie momentan öfters zwischen 4 und 6 Uhr morgens auf, egal wann Sie ins Bett gegangen sind?”

Leute, ernsthaft, ich hatte überlegt, ob jemand heimlich Kameras in meinem Schlafzimmer aufgehängt und mich bei “Verstehen Sie Spaß” angemeldet hatte. Ich hatte ÜBERHAUPT nichts von Schlafstörungen erzählt. Ok, dass ich gestresst und übermüdet war, konnte man mir an dem Abend vermutlich auch ohne mehrjährige therapeutische Ausbildung ansehen. Aber die Uhrzeit? Die Tatsache, dass ich keine Einschlaf-, sondern “nur” Länger-als-5-Stunden-am-Stück-schlaf-Probleme hatte? Ich musste wohl ziemlich bedröppelt und gleichzeitig begeistert ausgesehen haben… Jedenfalls erzählte sie mir dann was von Cortisolspiegeln, wie das mit der Achillessehne oder -ferse oder den Muskeln und Nerven da zusammenhängt, und fing an mich zu behandeln. Und das tat weh. Aber gut.

Die Schmerzen waren dann auch erst mal noch nicht weg. Aber es kribbelte, es pochte, es arbeitete. Das konnte ich spüren. Das konnte ich sogar sehen. Ernsthaft! Eines abends saß ich mit meinem Kind fasziniert auf dem Badezimmerboden und schaute mir die kleinen Würmchen an, die durch meinen Fuß direkt unter der Haut zu krabbeln schienen. Die Muskeln zuckten ohne mein bewusstes Zutun. Oder jemand hatte mir heimlich Nanosonden injiziert. Oder meine Ohrwürmer hatten sich gründlich verlaufen. Eins davon.

Meine Freundin die Ärztin hat dann meine Achillessehne noch zusätzlich mit Kinesiotape getapet. Und ihr müsst mir das jetzt nicht glauben: Aber ein paar Tage später – die Achillesschmerzen wurden von Tag zu Tag besser – kam meine zweitschönste Nacht seit der Weihnachtsfeier. Die schönste war, als ich mir meine Schlafstörungen zunutze machte und diese Website und meinen Blog begründete. Die zweitschönste, als ich das erste Mal seit der Weihnachtsfeier wieder ACHT Stunden am Stück geschlafen hatte. Creepy. Aber wunder-, wunderschön.

Warum wir Frauen, die wir mittlerweile ins Weltall fliegen, Nobelpreise gewinnen, das Klima retten, Staaten regieren und Konzerne leiten, uns immer noch in Schuhe zwängen lassen, die NACHWEISLICH unsere Gesundheit ruinieren

Und nun zurück zum Feminismus. Ich weiß nicht, wie es euch nach dem Lesen dieser hoffentlich einigermaßen unterhaltsamen Anekdote geht. Aber ich bin fertig mit hochhackigen Schuhen. Warum wir Frauen, die wir mittlerweile ins Weltall fliegen, Nobelpreise gewinnen, das Klima retten, Staaten regieren und Konzerne leiten, uns immer noch von einer immer noch männlich dominierten Welt in Schuhe zwängen lassen, die NACHWEISLICH unsere Gesundheit ruinieren, ist mir von heute an bis ich hoffentlich alt, runzelig und glücklich sterbe, ein Rätsel.

Schwestern, vereinigt euch – mit oder ohne Kopftuch – aber bitte zieht euch was Bequemes an! Ihr könnt dann besser schlafen.

Und hier die versprochenen Links – meldet euch gern in den Kommentaren, wenn euch noch was fehlt:


Sexismus: #OhneMich” von Barbara Kuchler auf zeit.de

Homepage und Onlineshop von Leguano Barfußschuhe

Youtube-Video “Mädchen” von Lucilectric

Youtube-Video “Wannabe” von den Spice Girls

Youtube-Video “Jein” von Fettes Brot

Youtube-Video “Insomnia” (I can’t get no sleep”) von Faithless

Wikipedia-Artikel zur Fuß-Reflexzonenmassage

Wikipedia-Artikel zur Osteopathie (Alternativmedizin)

Wikipedia-Artikel zu kinesiologischen Tapes